Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
Schleswig-Holstein ist geprägt durch seine ländlichen Räume, seine Inseln und
Halligen – und es ist das Land der Küsten.
Wer für dieses Land Verantwortung trägt, muss beides zusammen denken: den
ländlichen Raum als wirtschaftliches und gesellschaftliches Rückgrat unseres Landes
und den Küstenschutz als Lebensversicherung für ganze Regionen. Genau dafür
stehen wir!
Der ländliche Raum ist für uns keine Kulisse, sondern Kern unseres Landes. Hier
arbeiten Landwirtinnen und Landwirte, Handwerkerinnen und Handwerker,
Fischerinnen und Fischer, Unternehmerinnen und Unternehmer des Mittelstands. Hier
entstehen Arbeitsplätze im Tourismus, in der Pflege und in vielen kleinen und
mittleren Betrieben. Hier leisten Feuerwehren, Vereine und die Kommunalpolitik jeden
Tag einen unverzichtbaren Beitrag für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.
Wer auf dem Land lebt, hat Anspruch auf eine leistungsfähige Infrastruktur, auf gute
Versorgung und auf Sicherheit. Deshalb investieren wir gezielt in unsere ländlichen
Räume: in die Entwicklung unserer Dörfer, in Wege und Wasserwirtschaft, in moderne
und widerstandsfähige Strukturen vor Ort. Wir nutzen die Gemeinschaftsaufgabe, um
genau dort anzusetzen, wo sich entscheidet, ob junge Menschen bleiben,
Unternehmen investieren und Kommunen ihre Aufgaben auch künftig erfolgreich
erfüllen können. Aber, meine Damen und Herren, all das ist nur möglich, wenn wir eines
sicherstellen: den Schutz unserer Küsten. Die Ereignisse an der Ostseeküste im Oktober 2023
haben uns eindrücklich vor Augen geführt, wie verletzlich unsere Küstenregionen
sind. Sie haben gezeigt: Küstenschutz ist kein Randthema, Küstenschutz ist
Daseinsvorsorge, Küstenschutz ist Sicherheits-, Wirtschafts- und Tourismuspolitik
zugleich.
Und moderner Küstenschutz bedeutet auch, natürliche Lösungen stärker
mitzudenken. Steinriffe in der Ostsee sind dafür ein hervorragendes Beispiel. Sie
bieten wertvolle Laich- und Rückzugsräume für Arten wie den Dorsch und
unterstützen damit die Stabilität der Fischbestände. Gleichzeitig wirken sie als
natürliche Wellenbrecher, reduzieren die Energie einlaufender Wellen und leisten
damit einen Beitrag zum Küstenschutz.
Darüber hinaus schaffen diese Hartsubstrate Lebensräume für Algen, Muscheln und
zahlreiche andere Benthosorganismen. Sie binden Nährstoffe, verbessern die
Wasserqualität und fördern eine hohe biologische Vielfalt. Steinriffe zeigen damit, wie
sich ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Interessen und Schutzmaßnahmen
sinnvoll miteinander verbinden lassen. Genau diese Verbindung wollen wir stärken:
technische Sicherheit dort, wo sie notwendig ist – und natürliche Schutzfunktionen
dort, wo sie möglich und sinnvoll sind.
Meine Damen und Herren, wer Verantwortung übernimmt, muss auch über Zahlen
sprechen. Im Jahr 2024 Wurden rund 91 Millionen Euro GAK-Mittel verausgabt.
Zusätzlich wurden 16 Millionen Euro für die Deichertüchtigung an der Ostseeküste
bereitgestellt, 42 Millionen Euro der Mittel flossen in den Küstenschutz. 2025 wurden
94,4 Millionen Euro angemeldet, davon entfielen 40,8 Millionen Euro für den
Küstenschutz, 13,6 Millionen Euro an zusätzlichen Mittel für die Ostseesturmflut –
insgesamt also 108 Millionen Euro. Auch 2026 setzen wir diesen Kurs fort: Bund und
Land stellen insgesamt 99,3 Millionen Euro bereit, für den Küstenschutz sind erneut
40,8 Millionen Euro vorgesehen. Darüber hinaus stehen 75,1 Millionen Euro an GAKKassenmitteln
zur Verfügung: 25,7 Millionen Euro für den Küstenschutz, 50,6 Millionen Euro als
Verpflichtungsermächtigungen für mehrjährige Projekte. Das zeigt: Wir sprechen nicht
nur über den Schutz unserer Küsten. Wir finanzieren ihn auch. Wir handeln vorausschauend.
Wir nutzen Bundesmittel konsequent. Wir setzen eigene Landesmittel ein. Und wir denken über
das einzelne Haushaltsjahr hinaus. Denn jeder Euro, den wir heute in Deiche, Schutzanlagen,
Wasserbewirtschaftung und naturnahe Maßnahmen wie Steinriffe investieren, spart
morgen ein Vielfaches an Schadenskosten, Nothilfen und Wiederaufbau.
Deshalb sagen wir ganz deutlich: Wer im ländlichen Raum glaubwürdig sein will, darf
beim Küstenschutz nicht auf Sicht fahren. Man kann nicht nach jeder Sturmflut
Betroffenheit zeigen und gleichzeitig die notwendigen Mittel infrage stellen. Sicherheit
braucht Verlässlichkeit. Für uns als Fraktion steht der Kurs fest: Wir stärken unsere
Dörfer und Gemeinden im ländlichen Raum. Wir stehen für eine konsequente und
langfristige Finanzierung von ländlicher Entwicklung und Küstenschutz. Küstenschutz
ist Daseinsvorsorge – und damit eine zentrale Aufgabe unseres Landes.
Schleswig-Holstein braucht sichere Deiche, widerstandsfähige Küstenökosysteme
und gute Perspektiven für die Menschen in unseren ländlichen Räumen. Dafür
übernehmen wir Verantwortung: mit klaren politischen Entscheidungen, mit soliden
Finanzen und mit einem Leitbild, das Heimat, wirtschaftliche Stärke und Natur nicht
gegeneinander ausspielt, sondern zusammenführt.

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