Wir brauchen eine Reduktion invasiver Arten:Nutria, Waschbär und Marderhund

11.05.2026

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir beraten heute einen Antrag zur Regulierung invasiver Arten wie Nutria, Waschbär
und Marderhund. Wir tun dies nicht aus abstraktem Interesse, sondern weil sich in
Schleswig-Holstein längst sehr konkrete Auswirkungen zeigen. Diese betreffen
unsere Ökosysteme, die Artenvielfalt und zentrale Schutzinfrastrukturen des Küstenund
Hochwasserschutz unseres Landes. Diese Arten sind nicht Teil unserer heimischen Tierwelt.
Sie haben sich angesiedelt, sie breiten sich aus und sie tun dies mit einer Dynamik, die wir
nicht unterschätzen dürfen. Entscheidend ist dabei ihre biologische Ausstattung. Hohe
Reproduktionsraten, große Anpassungsfähigkeit und das Fehlen natürlicher Feinde
führen dazu, dass sich diese Arten in einer Kulturlandschaft wie Schleswig-Holstein
schnell etablieren und heimische Arten verdrängen.
Besonders deutlich wird das an unseren Gewässern und Küsten. Die Nutria ist hier
zum zentralen Problem geworden. Er gräbt weit verzweigte Bausysteme in Ufer und
Böschungen. Diese Schäden sind zunächst nicht sichtbar, entfalten aber eine klare
Wirkung. Ufer werden instabil, Böschungen verlieren ihre Tragfähigkeit und
Lebensräume geraten aus dem Gleichgewicht. Was zunächst lokal erscheint, hat eine
landesweite Bedeutung. Denn diese Entwicklungen betreffen auch unsere Deiche und
damit den Küstenschutz. Mehr als 1000 Kilometer Deichlinie schützen Schleswig-Holstein
täglich vor Sturmfluten und Hochwasser. Sie sind ein zentraler Bestandteil unserer
Daseinsvorsorge und unserer Sicherheit.
Die besondere Gefahr liegt darin, dass die Schäden im Inneren entstehen. Von außen
bleibt die Oberfläche oft intakt, während sich unter der Grasnarbe Hohlräume bilden,
die die Stabilität langsam untergraben. Diese Prozesse verlaufen fast unbemerkt,
entfalten aber mit der Zeit erhebliche Auswirkung. Wer Deichschutz ernst nimmt,
muss deshalb auch invasive Arten reduzieren. Ähnlich ist die Lage bei Waschbär und
Marderhund. Beide Arten greifen massiv in Brutbiotope ein, gefährden bodenbrütende
Vogelarten und erhöhen den Druck auf 
empfindliche Ökosysteme. Sie sind längst nicht
mehr auf abgelegene Bereiche 
beschränkt, sondern haben sich auch in Siedlungsräumen etabliert.

Der Marderhund verstärkt diese Entwicklung zusätzlich durch seine Rolle als Prädator
und als möglicher Überträger von Krankheitserregern. Der Waschbär zeigt, wie stark
invasive Arten auch urbane Räume besiedeln können und dort heimische Arten
verdrängen. Die Konsequenz daraus ist eindeutig. Wir brauchen kein punktuelles
Reagieren, sondern ein dauerhaftes Management dieser Arten. Die EU-Verordnung 1143
aus dem Jahr 2014 gibt dafür den klaren Rahmen vor. Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten
zur aktiven Eindämmung invasiver Arten. Im Zentrum steht dabei nicht das Ob, sondern das Wie.
In Schleswig-Holstein sind der Fang und Fallenjagd bereits heute ein wichtiges
Instrument. Sie ist rechtlich klar geregelt, fachlich anspruchsvoll und an hohe
Standards gebunden. Nur geprüfte Personal und Fallen dürfen eingesetzt werden.
Jägerinnen und Jäger müssen eine umfassende Sachkunde nachweisen. Das ist
keine Formalie, sondern die Grundlage für wirksames Handeln vor Ort.
Ohne die Jägerschaft wird dieses Problem nicht lösbar sein. Jägerinnen und Jäger
kennen die Reviere, sie kennen die lokalen Gegebenheiten und leisten jetzt schon
einen wesentlichen Beitrag für das praktische Wildtiermanagement. Diese Arbeit
erfolgt fast ausschließlich ehrenamtlich, mit großem Fachwissen und hoher
Verantwortung. Sie verdient Anerkennung und politische Unterstützung.
Deshalb ist es richtig, die Fallenjagd strukturell zu unterstützen und die praktische
Umsetzung gezielt zu stärken. Es geht um Verlässlichkeit, Kontinuität und
Wirksamkeit und nicht um kurzfristige Einzelmaßnahmen. Denn diese Aufgabe wird
nicht kurzfristig gelöst. Sie ist dauerhaft, komplex und nur gemeinsam zu bewältigen.
Wenn wir heute handeln, geht es nicht nur um einzelne Arten. Es geht um den Schutz
unserer natürlichen Lebensgrundlagen, um stabile Ökosysteme und um die Sicherheit
unserer Küstenräume. Oder anders gesagt: Es geht darum, dass Schleswig-Holstein
auch in Zukunft ein Land bleibt, in dem Natur, Landwirtschaft und Schutzinfrastruktur
im Gleichgewicht stehen.
Vor diesem Hintergrund ist der Jägerschaft ein Dank auszusprechen, für die
Unterstützung der zentralen Ziele des Natur- und Artenschutzes. Dieser Dank an die
Jägerschaft ist ein Bekenntnis zu einer ausgewogenen, praxisnahen Umweltpolitik,
die auf Verantwortung, Fachwissen und Zusammenarbeit setzt.
Vielen Dank und Waidmannsheil!